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Wieso? Weshalb? Warum?

Seit ich verkündet habe, das Ballettstudio in der bisherigen Form aufzugeben, werde ich viel gefragt und antworte auch gerne ausführlich.


 Das Schlussbild unserer Aufführung 2009

Zumindest im Unterricht wollte ich die verbleibende Zeit aber lieber zum Tanzen verwenden. Also habe ich die häufigsten Fragen und meine Antworten hier zusammengestellt (Stand Juli 2021):

Wieso?
Aber gibt nicht staatliche Hilfen?
Was genau ist das Problem?
Wie gehts Dir?
Das Unterrichten macht doch auch Spaß, oder?
Wollte Susi nicht sowieso mit 60 aufhören?
Wie gehts weiter?
Wie ist die vertragliche Seite?
Merkst Du mich gleich für die Volkshochschule vor?
Wie läuft das mit dem virtuellen Ballettstudio?

Wieso?

Corona ist schuld! Ich sage das mit einem Augenzwinkern, denn Corona soll derzeit an so vielem Schuld sein, dass man fast schon Mitleid mit dem armen Virus bekommen muss. Aber es ist so, dass Art und Weise der ergriffenen Maßnahmen der klare und einzige Auslöser dieser Entscheidung sind.

Das Ballettstudio wurde im Juni 2021 in einem Zustand aus dem Lockdown entlassen, in dem es bei Unterricht nach Stundenplan und vollem Kurshonorar praktisch keinen Gewinn mehr abwirft. Und der Gewinn ist beim Soloselbständigen das, was für andere das Gehalt ist. Er zahlt davon außerdem noch den vollen Beitrag zur Kranken- und Rentenversicherung und muss Rücklagen für schlechte Zeiten wie Krankheit, Arbeitslosigkeit oder das Warten auf Coronahilfen bilden.

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Aber gibt nicht staatliche Hilfen?

Ja, die gibt es und sie haben zusammen mit den verbliebenen Einnahmen das finanzielle Überleben des Ballettstudios bis zum Auslaufen des Mietvertrags ermöglicht. Man sollte aber nicht vergessen, dass das keine Geschenke waren. Die Rechnung für das ganze Geld, das da verteilt wurde kommt noch. Und die geht an uns alle.

Trotzdem war das eine mental anstrengende Zeit mit vielen schlaflosen Nächten. Bei jeder Hilfsrunde aufs Neue die gleichen Fragen: Wie sind die Bedingungen? Anders als die Gastronomie sind wir eine kleine Branche ohne Lobby, die schnell durchs Raster fallen kann. Werde ich am Ende dafür bestraft, weil ein paar treue Seelen mich mit dem vollen Beitrag unterstützen? Falle ich deswegen gar in die nächste der relativ grob gestaffelten Stufen? Oft war man bei Vorstellung eines neuen Hilfsprogramms deprimiert und erst nach Nachbesserungen ein paar Wochen später waren dann die Sorgen relativiert.

Ich hätte lieber gearbeitet, als mich damit zu stressen.

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Was genau ist das Problem?

Da braucht es ein paar Sätze mehr:

Die Hilfen haben mich über den Lockdown gebracht. Aber die Welt, zumindest meine, ist nach zwei Lockdowns mit über 300 Tagen Schließung nicht mehr dieselbe.

Ich sehe nicht die Perspektive, in den nächsten 12 Monaten mit dem Ballettstudio in der bisherigen Form etwas verdienen zu können. Am Tag der Wiedereröffnung fehlen 30% meiner Schüler gegenüber Anfang 2020. Mit Blick auf die leeren Kinderkurse würden es bis September noch mehr sein.

Das Problem ist die Situation, die ich nach Ende des achtmonatigen Lockdown vorfinde. Die elf Wochen in 2020 gaben bereits einen Vorgeschmack darauf: Viele, vor allem Kinder hatten durch die veränderten Unterrichtsbedingungen und die verbreitete Angst den Spaß verloren und wirkten teils regelrecht verstört.

Dass sich das mit jeder weiteren Woche des zweiten Lockdown zementieren würde, war zwangsläufig. Man muss sich vorstellen, dass heute Sechsjährige bald die Hälfte ihres bewussten Daseins unter Coronamassnahmen erlebt haben. Man darf nirgendwo mehr hin und die Erwachsenen sind auf einmal auch alle so komisch. Das geht nicht spurlos vorbei. Tanzen lebt davon, dass es Spaß macht. Kindern hilft es, Motorik zu entwickeln und zu festigen. Aber der Schlüssel, sie dazu zu motivieren ist der Spaß daran.

Die Wochen nach dem Lockdown bestätigen die Befürchtung: Die Erwachsenenkurse liefen trotz meiner Schließungsankündigung wieder ordentlich an. Bei den Kindern mache ich teils Stunden mit einem Kind, wo es sonst acht bis zehn waren.

Wie könnte es weitergehen? Könnte ich im Herbst 2021 wieder durchstarten? Genau daran glaubte ich zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht und glaube es auch jetzt noch nicht. Könnte sein, dass wir im Herbst, wie jetzt schon in England, viele positive Test aber nur noch wenig wirklich Kranke haben. Ist es auch so? Und wie würde Deutschland damit umgehen? Auch wenn es nicht zu einem weitern Lockdown kommt, erwarte ich ein Umfeld, das mir keine Hoffnung auf substanziell steigende Schülerzahlen vor Ostern 2022 gemacht hätte. Ich gehöre zu den "zuerst zu, zuletzt auf" Branchen.

Und dann? Auf weitere Hilfen spekulieren? Mit um 30% Umsatzeinbruch balanciere genau auf dem schmalen Grat zwischen etwas Hilfe und keiner Hilfe. Das kann so oder so ausgehen. Meinen Mietvertrag kann ich aber nur einmal im Jahr, zum 31.7. kündigen.

Was wirklich helfen würde, wäre die Rückkehr zu einer positiven Grundstimmung. Aber die Politik hat sich von der Realität entfernt, übt sich in Kriegsrethorik und will dieses Virus "besiegen". Das ist aber gekommen, um zu bleiben. Im zweiten Quartal wäre der Zeitpunkt gewesen, den unverkrampften, dauerhaften Umgang damit zu planen. Sollte es Rückschläge geben, müssen wir da eben durch. Aber man kann doch nicht auf Ewig nur noch alle denkbaren Rückschläge an die Wand malen und die Leute verschrecken. Das wäre aber nicht nur Aufgabe der Politik, sondern auch derer, die aus allen verfügbaren Nachrichten die auswählen, über die sie berichten.

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Wie gehts Dir?

Jetzt, wo die Entscheidung getroffen und verkündet ist, schon besser. Beim letzten Abschließen des Studios wird es sicher einen Flashback geben. Aber auch der geht hoffentlich vorbei.

Mir ist aber schon wichtig, dass das keine der Corona Stories aus dem Lokalteil ist, bei denen der letzte Absatz im verharmlosenden "Alles eitel Sonnenschein" Tenor endet. Hier wurde ein Betrieb, der seine Inhaberin 32 Jahre ernährt hat durch staatliche Maßnahmen seiner Wirtschaftlichkeit beraubt. Ja, Schicksalsschläge gibt es und die muss man ertragen. Aber das war kein Schicksal. Der neidvolle Blick in die nahe Schweiz zeigte während des gesamten zweiten Lockdown, wie es anders gegangen wäre.

Mein Glück ist mein Alter und die Tatsache, dass es gute Jahre gab, in denen ich eine Altersvorsorge aufbauen konnte. Beides zusammen verschafft mir die Möglichkeit, jetzt die Reißleine zu ziehen, einen neuen Ansatz zu wagen und daraus zumindest vorübergehend zuzubuttern. Wer weiß, ob ich es mit 80 überhaupt noch ausgeben kann.

Viele andere haben diese Option nicht und müssen durch das Tal. Kolleginnen haben per Zoom und zum vollen Preis weiterunterrichtet. Sie haben auf die Aussagen, dass die Lockdowns nur von kurzer Dauer seien vertraut. Dort fehlt jetzt teils mehr als die Hälfte der Schüler. Durch den verzögert einsetzenden Umsatzrückgang kamen sie zudem nur verzögert und/oder reduziert an Hilfen. Das konnte man vorher nicht wissen, ist aber jetzt so. Bereits im Februar 2021 wurde von aufgebrauchter Altersvorsorge und Krediten berichtet. Sie machen weiter und versuchen, wieder abzuzahlen. Was sollen sie auch tun?

Nach diesem Exkurs in meine, von "eitel Sonnenschein" weit entfernte Branche, zurück zur Frage: Ich klage auf hohem Niveau und es geht mir gut.

Wer sich fragt wie es zwischendurch war, dem sei mein Corona Logbuch empfohlen.

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Das Unterrichten macht doch auch Spaß, oder?

Ja, das hat es und tut es immer noch. Darum war ich auch sehr unglücklich mit der Entscheidung. Es war ja gerade nicht so, dass ich gesagt hätte "Hurra! Endlich Corona! Jetzt mache ich das Sofa zu meinem Lebensmittelpunkt".

Aber die Wenigsten arbeiten nur zum Spaß. Und ab dem Moment, wo man womöglich noch Geld bringen muss, um arbeiten zu dürfen, hört der endgültig auf.

Das Positive: Ich war schon in Kontakt mit der Volkshochschule wegen eines Kinderworkshops in den Pfingstferien. Der fiel zwar Corona zum Opfer, aber der Kontakt zur vhs war da. Neben weiteren Optionen für die Zukunft wurde schnell klar, dass beide Seiten Interesse an einem Projekt "Susi's vhs-Ballett" haben und die vhs meine beste Option ist.

Ich kann also weiterhin unterrichten, habe aber das unternehmerische Risiko in diesen unsicheren Zeiten los.

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Wollte Susi nicht sowieso mit 60 aufhören?

Wer mich näher kennt, kennt auch meine Lebensplanung. Der Job mit Anfangs 7 und später 6 Stunden non-stop Unterricht fällt mit den Jahren nicht leichter. Vorbereitung, Büro und Weiterbildung kommen dazu, was man sich zeitlich aber freier einteilen kann.

"Mit 60 will ich keine 6 Stunden mehr am Stück im Ballettsaal stehen." Das war meine Ansage. Und dieser Plan war bereits in der Umsetzung. Ab Sommer 2018 habe ich auf 5 Stunden täglich reduziert. Eine weitere Stufe hätte 2021/22 folgen sollen. Mit 4-5 Stunden pro Tag wollte ich dann weitermachen, so lange es Sinn und Spaß macht oder sich doch noch eine Nachfolge gefunden hätte.

So erklärt sich auch der hohe Fixkostenanteil, der den Schülerschwund von "nur" 30% zum Problem werden läßt. Meine Kalkulation hatte Corona nicht auf dem Radar. Und durch die Beschränkungen der Kursgrößen hatte ich 2020 auch meine 6 Stunden wieder.

Also: Susi wollte mit 60 weniger arbeiten. Aber nicht gleich ganz aufhören.

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Wie gehts weiter?

Das ist ausführlich den News beschrieben.

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Wie ist die vertragliche Seite?

Die Unterrichtsverträge enden zum 31.07.2021. Der letzte Einzug des Kurshonorars erfolgt im Juli. Ihr braucht nicht extra zu kündigen.

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Merkst Du mich gleich für die Volkshochschule vor?

Nein. Das werde ich öfter gefragt, es geht aber leider nicht.

Für die vhs Kurse ist die Volkshochschule euer Vertragspartner. Ich bin als freiberufliche Kursleiterin beauftragt, habe auf Anmeldungen und Abrechnung aber keinen Einfluss.

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Wie läuft das mit dem virtuellen Ballettstudio?

Das virtuelle Ballettstudio besteht mit seinen zur Zeit knapp 90 Videos weiter und es wird auch noch Nachschub geben. Der Zugang kostet entweder 9,50 € im Monat als Abo mit Kündigungsmöglichkeit zu jedem Monatsende oder einmalig 50 € für jeweils 6 Monate ohne automatische Verlängerung.

Ich freue mich jedenfalls, dass bereits der eine oder andere ehemalige Schüler, den es in andere Ecken der Welt verschlagen hat, Gefallen daran gefunden hat.

Bei Interesse sprecht mich einfach an oder schickt eine Email.

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Susi's Ballettstudio
Susanne Löffler
info@susis-ballettstudio.de

letzte Änderung: 23. August 2021